Donnerstag, 22. August 2013

Reality Check III


schon früh morgens
brütet die sonne heiß
über häusern und asphalt

kurz vor dem einreihen
in die schnellfahrende
kolonne berufsverkehr

klagende augen
eines toten opossums
die pfoten zierlich unter

dem kinn gekreuzt.
auf der schnellstraße
gerade noch einer

schnappschildkröte
ausgewichen, deren
zeitlupenüberquerung

der siebenspurigen
sicher vom nächsten
oder übernächsten

fahrzeug einem
jähen ende überführt
werden wird.

schließlich winkt
traurig der buschige
schwarze schwanz

eines toten stinktiers
kurz vor ankunft
im büro. — manchmal

spüre ich meine
verwandtschaft mit
anderen säugetieren.


©Beatrix Brockman

Mittwoch, 3. Juli 2013

Tennessee-Summer


sie sind selten diese
verkehrsreichen nächte
an der stadtautobahn
die in einer kakophonie
konkurrierender vogelstimmen

verebben — wenn der sommer
im dunkel mal seinen heißen
atem hält und luft lau dem
schlaf erlaubt sich nicht wie
sonst hinter glasscheiben

und surrenden klimaanlagen
sondern sich lasziv vor einem
offenen fenster zu räkeln


©Beatrix Brockman

Mittwoch, 26. Juni 2013

mutter


und werden sie kleiner
die gesten krumm
gearbeiteter hände

schlafen nachmittage
länger und länger
kurzen nächten

entgegen beugt sich
der rücken ewigem
dunkel unter dem

damokles fremd
bestimmter tage
und hofft das herz

dessen heute sich
einsam durch die
leeren räume schlägt

dass es einst heimlich
still und leise seinen
abschied nehmen kann


©Beatrix Brockman



mother

and they become smaller
the gestures of labor
worn hands

afternoons sleep
longer and longer
into short nights

as a spine curves
into everlasting
darkness under

the damocles of
heteronomous days
and her heart

whose days beat
lonely through
empty rooms

hopes that one
day its good-bye
will be calm and quiet

©Beatrix Brockman

Samstag, 22. Juni 2013

Mittsommer

Ein lauer Abend
Kinder auf Glühwürmchenjagd
Tennessee-Summer

©Beatrix Brockman

Donnerstag, 6. Juni 2013

Bald in Ihrem Buchladen



Brockman, Beatrix M.

«Nur fliegend fängt man Worte ein»

Eva Strittmatters Poetik
Reihe: Women in German Literature - Band 17
Erscheinungsjahr: 2013
Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien, 2013. 255 S., 1 Tab.
ISBN 978-3-0343-0948-6 br.  (Softcover)


Mit diesem Band erscheint die erste umfassende und kritische Auseinandersetzung mit dem veröffentlichten Werk von Eva Strittmatter (1930-2011), populäre Dichterin und Briefautorin in der ehemaligen DDR. Er zeigt auf, wie wichtig die Position Strittmatters als Lyrikerin zu nehmen ist, insbesondere da ihr Werk von einer umfassenden theoretischen Struktur untermauert ist. Ihre Gedichte zeichnen sich aus durch eine durchdachte Prosodie und einen vielschichtigen Aufbau; das öffnet ihnen den Zugang zu einer Vielfalt von Lesern.Beginnend mit einer Betrachtung von Strittmatters Prosaschriften, zeigt die Studie die Entwicklung Eva Strittmatters als Dichterin und die zunehmend theoretische Fundierung ihrer Texte auf. Hauptpunkte, die in diesem Band angesprochen werden, sind die Metapoetik und linguistische Aspekte, die Emanzipation durch Sprache – von der Sklavensprache zur Sprachfähigkeit –, Naturlyrik und Intertextualität. Diese Studie stellt die bisherige Annahme, dass es sich bei Eva Strittmatter um eine ostdeutsche Dichterin von minderer Signifikanz handelt, in Frage und demonstriert, dass ihr ein Platz in der ersten Reihe der großen deutschen Dichterinnen gebührt.


Beatrix M. Brockman arbeitet als Assistant Professor für Deutsch und Englisch an der Austin Peay State University. Sie erhielt 2012 den «Doctor of Philosophy» in Germanistik an der Vanderbilt University. Als Lyrikerin hat sie mehrere Gedichtbände veröffentlicht.

Das Bild auf dem Cover ist die wunderbare Skulptur "Lidschlag II" von Claudio!
 http://www.claudio-skulptur.de/skulptur81.html

Mittwoch, 22. Mai 2013

Es klingelt

und an der Tür steht ein Herr um die sechzig. Er hat einen Strauß Pfingstrosen in den Händen für meine Mutter und er weint bitterlich. Er hat sie gerade im Nachbargarten gepflückt, im Garten seines Elternhauses. Seine Mutter, die meiner Mutter 50 Jahre wie eine Schwester war, ist im letzten Jahr gestorben. Heute wird der Schlüssel an die Käufer des Elternhauses übergeben. Es hat ihn, dem wenig Herzlichkeit nachgesagt wird, wohl doch hart gebeutelt, das Gartentörchen ein letztes Mal hinter sich zu schließen.

Sonntag, 28. April 2013

blauer krokus

blauer krokus

das herz öffnen 
wie ein krokus 
im frühling vermag
ich nicht für jedermann

zu viele schubladen
halte ich geschlossen
lasse mir weder hinein
schauen noch mich stecken

auch versperrte 
türen haben so ihren sinn
ich muss nicht blau
strümpfig an blaubarts

frau erinnern


©Beatrix Brockman