Ein Hund, sagt man, lässt sich leicht ablenken und konzentriert sich nur selten lange auf ein Ding und springt gern einem Schmetterling nach. So ruft man hier in Amerika oft "Butterfly", um anzudeuten, dass eine Person schnell vom hundertsten ins tausendste gerät. So auch ich. Um 6 Uhr sagt meine innere Uhr "Schluss ist" und ich stehe auf. Nach dem Gang ins Bad, erst mal einen Kaffee. Aber wie das so ist. Ich komme in die Küche und will mein BonVivo Espresso-Töpfchen fertig machen. Da sehe ich, dass mein Mann gestern abend sein Frühstück nur halb vorbereitet hat, also schnell Hafergrütze ins nunmehr im Mini-Slowcooker köchelnden Wasser geworfen. Beim Griff in die Gefrierschublade für seine Beeren stiefelt er im Adamskostüm in die Küche und übernimmt. Wo war ich nochmal? Ach ja Kaffee. Schnell die Bohnen in die Mühle geben und das Espressotöpfchen mit Wasser... grad schnell noch ein Glas Wasser trink..., ach nein mit dem Wasser die Schilddrüsentabletten nehmen, Vitamin C nicht vergessen, da war doch noch was? Die Probiotika im Kühlschrank natürlich. Was seh ich da im Kühlschrank? Keine Milch mehr da für den Kaffee - Ach Mensch, ich wollte doch Kaffee aufsetzen im Espressotöpfchen. Schnell noch die Tasse aus der Spülmaschine nehmen, die wird dabei gleich völlig ausgeräumt, und das Töpfchen steht noch immer nicht auf dem Herd. Jetzt aber, Wasser ins Töpfchen, Kaffeepulver, frisch gemahlen ins Kröpfchen, zuschrauben und auf den Herd. Halt, der Herd muss noch abgewischt werden, sonst geht der Frischluftfilter im Haus auf Orkanblasen, weil die Teilchen in der Luft ansteigen. Jetzt aber wirklich. Töpfchen auf den Herd und angeschaltet. Nur 90 Sekunden später duftender Kaffee in der Tasse, den ich draußen auf der Terrasse genießen möchte. Herrlich ists! Hingesetzt, nein, die Bank ist zu kalt. Also im Stehen an den Gartentisch, wo die Aussaaten stehen und da liegt die Gartenschere. Ach ich wollte doch Ästchen schneiden fürs neue Hügelkultur-Hochbeet.
Zwei Stunden später finde ich den kalten Kaffee auf der Terrasse. Das Hügelkulturbeet ist fast fertig.
Butterfly.....
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Donnerstag, 16. April 2020
Donnerstag, 14. November 2019
Berlin am Morgen
noch dämmerts kaum
durch den porzellanfilter
läuft kaffee draußen kolkt
schon ein rabe drinnen
knarren dielen unter nackten
füßen & der regelmäßige
atem aus dem nebenzimmer
friedet mein herz
auch der muezzin vom band
in der wohnung unter mir
gehört zum klangbild
dieses morgens
er ist gut
©beatrix brockman
durch den porzellanfilter
läuft kaffee draußen kolkt
schon ein rabe drinnen
knarren dielen unter nackten
füßen & der regelmäßige
atem aus dem nebenzimmer
friedet mein herz
auch der muezzin vom band
in der wohnung unter mir
gehört zum klangbild
dieses morgens
er ist gut
©beatrix brockman
Dienstag, 22. Oktober 2019
Lost Soul
Du wühlst im Rucksack.
Es ist Zeit das tägliche
Fasten zu brechen. In
einem Garderobenschrank
klingelt aufdringlich
wieder und wieder
ein Telefon und du fragst
dich, während du nach
dem Löffel angelst, welche
Seele es wohl so nach
einer anderen drängt.
©beatrix brockman
Es ist Zeit das tägliche
Fasten zu brechen. In
einem Garderobenschrank
klingelt aufdringlich
wieder und wieder
ein Telefon und du fragst
dich, während du nach
dem Löffel angelst, welche
Seele es wohl so nach
einer anderen drängt.
©beatrix brockman
Samstag, 27. April 2019
nur wenn
wer schreibt schon gedichte wenn er glücklich ist?
nur wenn schatten fallen
fließen sie,
die worte, rhythmisch
aufs papier
ist mein gesicht
der sonnenblume gleich
ins licht gerichtet,
verstummen sie
als ließen
die sonnenseiten
sie verdörren, von
tränen ungewässert
raschelt ihr laub
in einer ecke
des herzens, wo sie
das samenkorn
des nächsten
gedichts wahren
©beatrix brockman
nur wenn schatten fallen
fließen sie,
die worte, rhythmisch
aufs papier
ist mein gesicht
der sonnenblume gleich
ins licht gerichtet,
verstummen sie
als ließen
die sonnenseiten
sie verdörren, von
tränen ungewässert
raschelt ihr laub
in einer ecke
des herzens, wo sie
das samenkorn
des nächsten
gedichts wahren
©beatrix brockman
Freitag, 19. April 2019
Ironie
einsamer wolf
mit schnellfeuergewehren
begeht den nächsten
massenmord
nachrichten am morgen
danach: Smith & Wesson
aktien vor markteröffnung
um vier prozent gestiegen
oh süßes lied
© beatrix brockman
mit schnellfeuergewehren
begeht den nächsten
massenmord
nachrichten am morgen
danach: Smith & Wesson
aktien vor markteröffnung
um vier prozent gestiegen
oh süßes lied
© beatrix brockman
Donnerstag, 28. Februar 2019
Beobachtungen am Rande des für sie Unvermeidlichen
grausame hoffnung
im herzen da metastasen
sich durch kopf, durch knochen,
durch die leber fressen
— wollen weder kopf
noch seele sich stellen —
den nahenden nicht sehen
weil so grausam hoffnung
den blick trübt, der eigene
schmerz einen anderen
ausgang erzwingen will
auch wenn die erlösung des
einen die des anderen sein wird
aber die kommt erst lange
nachdem sich die nebel
lichten, wenn kampfansagen
nicht länger den blick auf
einsichten trüben, wenn
das loch, das sie noch nicht
kennt, bestandteil des alltags
wird und sie trotzdem
weiter atmen und einen fuß
vor den anderen setzen wird
©beatrix brockman
im herzen da metastasen
sich durch kopf, durch knochen,
durch die leber fressen
— wollen weder kopf
noch seele sich stellen —
den nahenden nicht sehen
weil so grausam hoffnung
den blick trübt, der eigene
schmerz einen anderen
ausgang erzwingen will
auch wenn die erlösung des
einen die des anderen sein wird
aber die kommt erst lange
nachdem sich die nebel
lichten, wenn kampfansagen
nicht länger den blick auf
einsichten trüben, wenn
das loch, das sie noch nicht
kennt, bestandteil des alltags
wird und sie trotzdem
weiter atmen und einen fuß
vor den anderen setzen wird
©beatrix brockman
Themen
allerlei,
daily misery,
der Mensch,
life is life,
Trauer
Sonntag, 24. Juni 2018
Ujjayi-Atem
Das Meer hat mich schon immer angezogen. Nichts Schöneres gibt es für mich, als darauf zu schauen und der Brandung zu lauschen. Obwohl es das Element des Wassers ist, erdet es mich. Gerade sind wir zum zweiten Mal in diesem Jahr an der Golfküste. Haben 10 Stunden Autofahrt in 2 Autos mit 6 Personen auf uns genommen. Das hatte mich erst davon abhalten wollen. Nun bin hier. Und bereue es nicht.
Im März waren die Strände noch verschlafen, nicht menschenleer, aber geräumig und morgens spurenlos weiß. Jetzt ist Saison. Ich wusste, was das heißt. Menschenscharen um Menschenscharen. Sie stören mich nicht. Jeder geht seinem Tag nach. Man bräunt sich einen Krebs in die Haut. Man schwimmt, spielt Ball, Mütter wiegen ihre Kinder in sanften Wellen.
Ich genieße Strand und Meer in den Morgenstunden, wenn die Sonne noch nicht brennt und das Brechen der Wellen nicht von Geschrei übertönt wird. Wird es mir zu heiß und zu laut, ziehe ich mich auf den Balkon mit Meeresblick zurück, der den Klang des Ozeans für mich bündelt und dessen Höhe die Stimmen mir fremder Menschen mildert.
Fast kann ich die Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit des 21sten Jahrhunderts hinter mir lassen und mich mit geschlossenem Augen dem Ujjayi-Atem hingeben. Wären da nicht die Hubschrauber, die im 10-Minuten-Takt Touristen mit Höllenlärm über den Strand fliegen und das Boot, das vor uns kreuzt, mit einem 8 x 10 m großen Bildschirm, der penetrant blinkend, Werbung für Bars, Restaurants und Veranstaltungen macht. Zum Glück noch ohne Sound...
©beatrix brockman
Mittwoch, 7. März 2018
sonnengruß
nach dem aufstehen ist
der sand noch jungfräulich
tagesspuren verweht
vom wind der nacht
im laufschritt stellt
der strandwärter
mietbare stühle
und schirme auf
genau zwischen den
schildern rechts und
links Privatbesitz
Betreten verboten
einsam rollt einer
seine yogamatte aus
dehnt und streckt sich
zum sonnengruß
langsam erscheinen
immer mehr fußspuren
als drängten sie sich
an die sonnentraufe
nur der getränkekiosk
verschmutzt den klang
von meereswellen mit
poppiger country musik
© beatrix brockman
Dienstag, 6. März 2018
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