„… denn Weihnachten hat so eine Unaufhaltsamkeit im Näherkommen. Bei diesem Fest merkt man’s besonders, wie das Tempo der Welt nicht mehr auf es Rücksicht nehmen mag, so ein Fest hat langsam zu kommen, wie damals als man Kind war, da zählte man und wartete und es war trotzdem noch weit, das gehört dazu, dieser langsame Advent, nun rast man im Lebens-Schnellzug darauf zu, hält an keiner Station, und es ist nichtmal sicher, daß man in ‘Weihnachten’ halten wird, drei Minuten vielleicht – und weiter auf die große Stadt Neujahr zu, wo’s endlich ein kleines Aussteigen giebt und Händewaschen.“
(geschrieben von Rainer Maria Rilke in einem Brief an Nanny Wunderly-Volkart, am 15. Dezember 1922)
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Dienstag, 24. Dezember 2019
Montag, 23. Dezember 2019
23. Dezember
In der Christnacht
Oh Winterwaldnacht, stumm und hehr
mit deinen eisumglänzten Zweigen,
lautlos und pfadlos, schneelastschwer,
wie ist es groß, dein stolzes Schweigen.
Es blickt der Vollmond klar und kalt,
in tausend funkelharte Ketten
sind festgeschmiedet Berg und Wald,
nichts kann von diesem Bann erretten.
Der Vogel fällt, der Wind bricht ein,
der Quell versiegt, die Fichten beben,
so kämpft den großen Kampf ums Sein
ein tausendfaches, banges Leben.
Nur in den Dörfern traut und sacht
da läuten heut' zur Welt hienieden
die Weihnachtsglocken durch die Nacht
das Wunderlied vom ewigen Frieden.
Karl Stieler
Oh Winterwaldnacht, stumm und hehr
mit deinen eisumglänzten Zweigen,
lautlos und pfadlos, schneelastschwer,
wie ist es groß, dein stolzes Schweigen.
Es blickt der Vollmond klar und kalt,
in tausend funkelharte Ketten
sind festgeschmiedet Berg und Wald,
nichts kann von diesem Bann erretten.
Der Vogel fällt, der Wind bricht ein,
der Quell versiegt, die Fichten beben,
so kämpft den großen Kampf ums Sein
ein tausendfaches, banges Leben.
Nur in den Dörfern traut und sacht
da läuten heut' zur Welt hienieden
die Weihnachtsglocken durch die Nacht
das Wunderlied vom ewigen Frieden.
Karl Stieler
Sonntag, 22. Dezember 2019
22. Dezember
Advent
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin, bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.
Rainer Maria Rilke
(1875-1926)
21. Dezember
Es gibt so wunderweiße Nächte
Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.
Weit wie mit dichtem Diamantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.
Rainer Maria Rilke
(1875-1926)
Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.
Weit wie mit dichtem Diamantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.
Rainer Maria Rilke
(1875-1926)
Freitag, 20. Dezember 2019
20. Dezember
"gegrüsset seiest du maria"
so sang ich einst als kind
und verkündete als engel
der gottesmutter ihren sohn
im kreise von fünf kindern
musizierten wir durch den advent
und naschten heimlich teig
wenn wir mit mutter buken
adventus domini, ankunft
des herrn — einst fastenzeit,
wunderschöne Kindheit
erinnerungen im herz
und heute, wenn die vierte kerze
brennt, hat uns die werbungs
maschinerie weihnachten
schon längst vergällt und wartet
kaum bis zum hochfest bis sie die
diätmaschine in gang schmeißt.
es liegt an uns, die be(sinn)lichkeit
in uns selbst zu finden
Donnerstag, 19. Dezember 2019
19. Dezember
noel, xmas, navidad
was - fragst du macht es aus
das lied zur weihnacht?
melodie, stimmung,
vokabularium?
lausch dem radio
und sei nicht dumm
es scheint allein
ein wort in vielen sprachen
xmas, christmas,
mal in weiß, mal als last,
verschenkte herzen
ohrenschmerzen
hinzu dann schütten wir
den weihnachtsmann aus
der tüte namens santa claus
mixen ein-zwei rentiere bei
fast fertig ist der liederbrei
fehlt nur noch
ein lamm mit schäfer
und ein heller stern
das mögen alle "kinder" gern
©beatrix brockman
was - fragst du macht es aus
das lied zur weihnacht?
melodie, stimmung,
vokabularium?
lausch dem radio
und sei nicht dumm
es scheint allein
ein wort in vielen sprachen
xmas, christmas,
mal in weiß, mal als last,
verschenkte herzen
ohrenschmerzen
hinzu dann schütten wir
den weihnachtsmann aus
der tüte namens santa claus
mixen ein-zwei rentiere bei
fast fertig ist der liederbrei
fehlt nur noch
ein lamm mit schäfer
und ein heller stern
das mögen alle "kinder" gern
©beatrix brockman
Mittwoch, 18. Dezember 2019
18. Dezember
Dezember
Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.Ist gar nicht sehr gesund.Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.Kennt gar die letzte Stund.
Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.Ruht beides unterm Schnee.Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.Und Wehmut tut halt weh.
Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.Nichts bleibt. Und nichts vergeht.Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.Nützt nichts, dass man’s versteht.
Und wieder stapft der Nikolausdurch jeden Kindertraum.Und wieder blüht in jedem Hausder goldengrüne Baum.
Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,wie hold Christbäume blühn.Hast nun den Weihnachtsmann gespieltund glaubst nicht mehr an ihn.
Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.Dann dröhnt das Erz und spricht:„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,und du kennst deinen nicht.“
(Erich Kästner)
Dienstag, 17. Dezember 2019
17. Dezember

Heuer fällt es mir besonders schwer
die Weihnachtszeit zu erkennen
Zu viele Herzen sehe ich leer
und Leute, die nur rennen
Die einen hetzen um Überfluss
die anderen hetzen gegen jene
die auf der Flucht vor Elend und Tod
rennen um nacktes Leben
Und es begab sich in jener Zeit
da machte sich die Hoffnung breit
ein Erlöser sollt werden geboren
bevor der Menschheit die Welt verloren
weil Herzenskälte den Bruder erschlägt
der das Zeichen der Not auf der Stirne trägt
Und der Heiland kam. Sein Leuchten drang
aus dem armsel'gen Stall, in den er getrieben
Mensch! So seine Botschaft erklang
Deine Bestimmung heißt lieben!
Erlösung bringt dir nicht Geld und Macht
kein Punschstand kein Glitzergeschrill
Ein warmes Lichtlein in der Nacht
das Suchenden zeigt den Weg zum Ziel
an dem sie willkommen und eine Hand die gibt
bringt Rettung dir!
Weil so derjenige liebt
dessen Geburt wir die Nacht weihen
damit wir auch wirklich Menschen seien
Erhöret das Lied das aus der Krippe erklingt
Weil nur das uns Weihnachten wieder bringt
© Evelyne Weissenbach
Montag, 16. Dezember 2019
16. Dezember
Momente
mit geschlossenen augen
beschwöre ich sie
die kindheitsmomente
höre ich die mutterstimme
lesen aus den weihnacht
geschichten, sehe ich ihre
hände — noch nicht verkrümmt —
beim schälen von mandarinen
herrlich duftend so frisch
und fruchtig und doch so
weihnachtlich. kein kranz
schmückte den tisch, immmer
nur ein gesteck mit schlanken
violetten kerzen. wer fünf
kinder hat leistet sich keinen
wer fünf kinder hat gibt mit
den händen - mit handgemachtem
mit händehalten, manches aus
zweiter hand, mit betenden händen
©beatrix Brockman
Sonntag, 15. Dezember 2019
15. Dezember
für meine enkelkinder
(und alle kinder dieser welt)
ich wünsch dir einen engel
der seine flügel schützend über deine hält
der du das fliegen erst noch lernen musst
ich wünsch dir einen engel
der deine schritte lenkt, wenn deine
füße dich an klippen tragen
ich wünsch dir einen engel
der dich berät wenn die vernunft
in dir noch wachsen muss
ich wünsch dir einen engel
der deren hände leitet, die dich
lieben, leiten, und auch manchmal strafen
ich wünsch dir einen engel
der dich kichern oder lachen macht
der dir das kleine und das große staunen
lang erhält und dir das was wir
großen leben nennen noch lang
vom leibe hält.
© beatrix brockman
Samstag, 14. Dezember 2019
14. Dezember
Adventus Domini
jährt sich der sechste tag
im zwölften monat
meines werweißwievielten jahrs
hab ich tags zuvor
die schuhe weder geputzt noch
sie ordentlich gestellt
klar wünschte ich es füllte sie jemand
doch was soll hinein?
einen klafter seelenfrieden hätte ich gern
das sind drei ellen ruhigen herzschlages
und ein lachter strahlen gerade aus
dem solar plexus — eine tüte weltfrieden
hätte ich auch gern dabei, die würde
ich dann raubkopieren und zum runter
laden ins internet stellen
doch weil es beim wünschen bleibt
zünde ich einfach eine kerze an
und ruhe einen kurzen moment in ihrem licht
© beatrix brockman
jährt sich der sechste tag
im zwölften monat
meines werweißwievielten jahrs
hab ich tags zuvor
die schuhe weder geputzt noch
sie ordentlich gestellt
klar wünschte ich es füllte sie jemand
doch was soll hinein?
einen klafter seelenfrieden hätte ich gern
das sind drei ellen ruhigen herzschlages
und ein lachter strahlen gerade aus
dem solar plexus — eine tüte weltfrieden
hätte ich auch gern dabei, die würde
ich dann raubkopieren und zum runter
laden ins internet stellen
doch weil es beim wünschen bleibt
zünde ich einfach eine kerze an
und ruhe einen kurzen moment in ihrem licht
© beatrix brockman
Donnerstag, 12. Dezember 2019
13. Dezember
wenn einem die lieben besonders fehlen
sie quillt über vor besteck
die schublade in der küche
nicht mit dem guten, nein dem
all.täglichen. im gewirr von
zinken und klingen gibt
es einzwei messer, gabeln,
löffel, die über sechzig winter
zunächst in jungen später in
knorrigen händen lagen.
heute suchen meine hände
bei jeder mahlzeit zunächst nach
der einen gabel, streichen
butter nur mit dem einen messer
und neiden sie dem der
vielleicht gerade damit isst
© beatrix brockman
12. Dezember
Advent
Der Frost haucht zarte Häkelspitzen
Perlmuttergrau ans Scheibenglas.
Da blühn bis an die Fensterritzen
Eisblumen, Sterne, Farn und Gras.
Kristalle schaukeln von den Bäumen,
Die letzen Vögel sind entflohn.
Leis fällt der Schnee ... In unsern Träumen
Weihnachtet es seit gestern schon.
Mascha Kaléko (1907-1975)
Der Frost haucht zarte Häkelspitzen
Perlmuttergrau ans Scheibenglas.
Da blühn bis an die Fensterritzen
Eisblumen, Sterne, Farn und Gras.
Kristalle schaukeln von den Bäumen,
Die letzen Vögel sind entflohn.
Leis fällt der Schnee ... In unsern Träumen
Weihnachtet es seit gestern schon.
Mascha Kaléko (1907-1975)
Mittwoch, 11. Dezember 2019
Adventsreminiszenz
Adventsreminiszenz
und so spinn' ich mir aus kindheitsfaser
violett in den dezember — zwirn hinein
den klang der stimme, die mir lieder sang,
füg hinzu den kammzug mit dem duft
von koriander, kardamom und zimt, von
äpfeln in der röhre, von gebäck auf heißem blech
— und so dreht sich meine spule auf
dem spinnrad und mit ihr ein faden
in dem ein hauch von gestern lebt
© beatrix brockman
Dienstag, 10. Dezember 2019
wintercampus
Frost auf Blätterspitzen
nacktes Geäst, das sich ins Blaue streckt.
Studenten hasten eingemummelt
von Gebäude zu Gebäude
von Klausur zu Klausur.
Auf der Reklametafel
blinken unbeachtet von nervösen
Augen aufmunternde Worte —
Werbung für die Studentenzeitung
die Universität, die Mensa.
Mit der Natur geht auch die Uni
mit großen Schritten auf den
Winterschlaf zu. Nur die grauen
Eichhörnchen sind noch nicht so weit.
Unbeirrt von der Kälte suchen sie
nach weggeworfenen Pommes,
Burger Buns oder Kartoffelchips.
Groß ihr Triumph, wenn sie mit
einer Brotkruste bewaffnet auf
dem Mülltonnenrand sitzen. Gut
dass sie beim Kauen nicht "Stille Nacht,
Heilige Nacht", oder "I'll be home
for Christmas" pfeifen können.
©beatrix brockman
nacktes Geäst, das sich ins Blaue streckt.
Studenten hasten eingemummelt
von Gebäude zu Gebäude
von Klausur zu Klausur.
Auf der Reklametafel
blinken unbeachtet von nervösen
Augen aufmunternde Worte —
Werbung für die Studentenzeitung
die Universität, die Mensa.
Mit der Natur geht auch die Uni
mit großen Schritten auf den
Winterschlaf zu. Nur die grauen
Eichhörnchen sind noch nicht so weit.
Unbeirrt von der Kälte suchen sie
nach weggeworfenen Pommes,
Burger Buns oder Kartoffelchips.
Groß ihr Triumph, wenn sie mit
einer Brotkruste bewaffnet auf
dem Mülltonnenrand sitzen. Gut
dass sie beim Kauen nicht "Stille Nacht,
Heilige Nacht", oder "I'll be home
for Christmas" pfeifen können.
©beatrix brockman
Sonntag, 8. Dezember 2019
9. Dezember
und brennt ein zweites kerzenlicht
im grünen tannenrund, freuen sich
(kinder)herzen an stillen momenten
und kleinen geschichten aus
einem schmalen buch. spielt auch
das radio — ganz klischee —
white christmas
und versamtet bing uns raue tage,
spielen die wettergötter trotzdem
weder nach den regeln des winters
noch denen des advents. trotzdem
stellt sich eine stimmung ein, die
die innere kälte langsam vertreibt,
und deren glanz so nach und nach
generationen von augen erreicht.
©beatrix Brockman
Samstag, 7. Dezember 2019
8 Dezember (2 Gedichte)
Mein Barbaratag 1
Dies ist der Tag, der dir gehört.
Auch wenn die Saiten deiner
Mandoline schon lange gerissen.
Dies ist der Tag, der dir gehört.
Wenn wir dir heute eine Kerze
anzünden und dir zu Ehren
Zweige in eine Vase holen. Dies
ist der Tag, der dir gehört. Dieser
Tag im Advent, an dem wir dich
feiern, an dem wir dein Gedeck
auf den Gedankentisch stellen,
an dem wir dir eine Gedankentorte backen.
Dies ist ein Tag im Advent, der nicht
vom Kommen kündet, sondern vom
Gegangensein, von schmerzlichen Lücken,
die keine Kindheitsdüfte füllen mögen. Dies
ist mein Barbaratag, der sich immer jähren
wird und der mich manchmal wundern macht,
ob...
Mein Barbaratag 2
der achte tag
des zwölften monats
das ist mein
barbaratag
der tag an
dem ich kerzen
brenne dir
zu ehren die du
meine schwester
bist und warst
— heute würden
wir dich feiern
wenn ich nicht hier
und du noch dort
dein leben lebtest.
doch kam und wurde
alles anders und
das was blieb das ist
mein barbaratag
am achten tag
des zwölften monats
eines jeden jahrs an
an dem ich eine kerze
brenne nur für dich
© Beatrix Brockman
Meiner Schwester gewidmet, die am 8.12. geboren ist.
Freitag, 6. Dezember 2019
7. Dezember
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.
Rainer Maria Rilke
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.
Rainer Maria Rilke
6. Dezember
engelsflügel, schlittenglöckchen,
kerzenschein bei dunkler nacht,
kardamom und zimtrosine,
gespickte nelken-apfelsine,
nüsse, plätzchen, marzipan
kinderaugen, weihnachtsmann
neuerdings elf-on-the-shelf.
aus hollywood, aus babelsberg
flimmert heile welt ins haus
happy end vor dem kamin,
mama küsst den nikolaus.
©Beatrix Brockman
kerzenschein bei dunkler nacht,
kardamom und zimtrosine,
gespickte nelken-apfelsine,
nüsse, plätzchen, marzipan
kinderaugen, weihnachtsmann
neuerdings elf-on-the-shelf.
aus hollywood, aus babelsberg
flimmert heile welt ins haus
happy end vor dem kamin,
mama küsst den nikolaus.
©Beatrix Brockman
Mittwoch, 4. Dezember 2019
5. Dezember
Weihnacht
Gebenedeite Dunkelheit
Des Weibnachtsabends. Heilig, heilig!
Engel lobsangen einst. Die Zeit,
Da sie lobsangen, sie ging eilig
Vorbei. Schön war der Farbenschein,
Der aus den Kirchenfenstern schien.
Und Weihnacht hatte Schnee zu sein.
Das bunte Licht ließ ihn erblühn.
Da blühten Rosen überm Schnee
Und trieben hin im Orgelwind.
Und Lilien gelb und blau ein See,
In dem die Fische golden sind.
Und Grün, der Lustlaut neben Rot,
Nach dem die Orgel aufwärts jagt,
Eh sie ihn fängt im Jubeltod
Und eine Stimme Amen sagt...
Alles in eins und unverstanden.
Nur Farben, Töne, Wortgeruch:
Drei Mohren kamen aus drei Landen.
Ein Stern stieg auf aus einem Buch
Und stand sehr sichtbar uns zu Häupten.
wir hielten ihn mit unserm Singen,
Bis daß die Schneerosen zerstäubten
Und wir ins Dunkel heimwärts gingen.
Eva Strittmatter aus: Die eine Rose überwältigt alles
Gebenedeite Dunkelheit
Des Weibnachtsabends. Heilig, heilig!
Engel lobsangen einst. Die Zeit,
Da sie lobsangen, sie ging eilig
Vorbei. Schön war der Farbenschein,
Der aus den Kirchenfenstern schien.
Und Weihnacht hatte Schnee zu sein.
Das bunte Licht ließ ihn erblühn.
Da blühten Rosen überm Schnee
Und trieben hin im Orgelwind.
Und Lilien gelb und blau ein See,
In dem die Fische golden sind.
Und Grün, der Lustlaut neben Rot,
Nach dem die Orgel aufwärts jagt,
Eh sie ihn fängt im Jubeltod
Und eine Stimme Amen sagt...
Alles in eins und unverstanden.
Nur Farben, Töne, Wortgeruch:
Drei Mohren kamen aus drei Landen.
Ein Stern stieg auf aus einem Buch
Und stand sehr sichtbar uns zu Häupten.
wir hielten ihn mit unserm Singen,
Bis daß die Schneerosen zerstäubten
Und wir ins Dunkel heimwärts gingen.
Eva Strittmatter aus: Die eine Rose überwältigt alles
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