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Dienstag, 5. November 2019

Herbstdank

wie schön es altert
das laub an baum
und busch. so voller
licht und farben
seine letzen tage. als
wollte es der sonne
danken für
wurzelwarmen
wintertrotz
unter kahlen ästen


© beatrix brockman

Mittwoch, 23. Oktober 2019

fahrrad for future

nicht nur freitags
großstadtwandern
und (be)wundern
der fahrradfahrenden
massenbewegung
die so nachhaltig ihre
kleinsten hinter sich
oder vor sich befördern
sehe (nur ich?)
kleine münder,
nasen und lungen
aug in aug mit
auspuffrohren?
fahrrad for future


©beatrix brockman

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Aimliú

Aimliú

Betreten vor mir auf dem Grund
des Pfads sind Ahornblätter. 
Stürmisch war das Wetter
das ihre Pracht verdarb. So Bunt

warn ihre Kleider in sattem Rot,
in goldnem Gelb voll Freude auf 
den Lichtertanz im Sonnenlauf
dem stärksten Aufgebot

des Herbsts.  Vorbei der schöne 
Schein. Das Chlorophyll vergeht 
in Sand und Erde auf dem Weg
kein letzter Auftritt auf der Bühne,

eh der Oktober, wo ein Tag dem andern gleicht,
dem tristen Grau des nächstes Monats weicht.
Noch sind die Ahornblätter auf dem Grund
eh sie vergehen, ein paar Stunden bunt.



© beatrix brockman


Aimliú:  irisches Wort für etwas, dass durch das Wetter verdorben wurde. 

Montag, 30. September 2019

letzter september tag

über eichen und buchen
blätter stapfe ich durch
einen bunten regenschirmwald
wind und regen entgegen
staemmend über spree und
geschichtsgrenzen ins sütterlin
einer längst vergangenen lyrik

©beatrix brockman

Mittwoch, 25. September 2019

Blatt für Blatt

Langsam ästet
Sich die Buche
Vorm Archiv
Aus ihrem Sommerkleid

Blatt für Blatt
Auch ich
Hinter dem Fenster

Ihr schüttelt
Der Wind
Die Last von
Der Rinde

Meine Blätterberge
Wachsen von
Links nach rechts

Sie wird sich
Im nächsten Jahr
Neu bekleiden
Vor diesem Fenster hier

Ich werde
Wer-weiß-schon-wo
Sein

© beatrix brockman


lebensraum

ich lebe mein leben
in schwindenden ringen.
bin ich voll da
für die, die ich lehre,
sehnt sich danach
das herz nach der leere,
nach stille, nach raum
für holz, für papier,
für fasern und andre krea.triebe
und vor allem und immer
und immer mehr für den,
den ich so lange liebe

© beatrix brockman

Donnerstag, 21. März 2019

roadmovie- oder straßenkopfkinogedicht II

rollen räder täglich
über asphalt. hin, her.
zum job, zurück.
liegt wo vorher
federn nun ein pelz
— seit tagen schon

mal über-, und mal siehst
du ihn. doch fragst du dich,
auf dem heimweg,
jeden tag, wie lang wohl
so ein stinktier versucht
gegen den tod anzustinken

©beatrix brockman

Montag, 4. März 2019

Am Meer

Erfüllt
Am Meer
In Decken gehüllt
Das Salz das Wasser
Ich

© Beatrix Brockman



(ein elfchen)

Donnerstag, 8. März 2018

herzenssache

warum fotografieren
was deine seele nährt
wenn‘s im herzen schon


© beatrix brockman

Mittwoch, 7. März 2018

tümmler

hinter dem strandhafer
ziehen sie ruhig ihre
bahnen. elegant im
bogen erscheint
hin und wieder
eine rückenflosse
während das auge
immer wieder
die wellenkämme
nach ihnen absucht

©beatrix brockman

sonnengruß


nach dem aufstehen ist
der sand noch jungfräulich
tagesspuren verweht
vom wind der nacht

im laufschritt stellt
der strandwärter
mietbare stühle
und schirme auf

genau zwischen den
schildern rechts und
links Privatbesitz
Betreten verboten

einsam rollt einer
seine yogamatte aus
dehnt und streckt sich
zum sonnengruß

langsam erscheinen
immer mehr fußspuren
als drängten sie sich
an die sonnentraufe

nur der getränkekiosk
verschmutzt den klang
von meereswellen mit
poppiger country musik


© beatrix brockman

Dienstag, 6. März 2018

jelly fish

getrieben von wind
und wellen; gestrandet nun
eins mit weißem sand

© beatrix brockman


am straßenrand (haiku)

zart und leblos am
straßenrand nur sein panzer
trotzte den reifen

©beatrix brockman


und dann und wann

und dann und wann
fliegt ein Pelikan
so nah heran
dass man
das Bauchgefieder
zählen kann


@beatrix brockman

Samstag, 31. Mai 2014

ehe es dunkelt

letzte abendsonne

in den wipfeln von
zwei tulpenpappeln
orange-schnäbelig

braungefiedert ruft
ein weibchen ihren
kardinal — einsam

umflattert ein admiral
gelb ein dichtes grün
im hintergrund kopfunter

ein graues hörnchen
in der ursuppe schwimmen
munter kaulquappen

keinem ei entgegen
es sei denn es gehörte
der gemeinen mücke


©beatrix brockman

Mittwoch, 23. April 2014

erste blätter

und ist ein grün
noch jung noch zart
noch unbeschrieben

und leuchtet doch so
voller saft als
wohnte ihm am

grauen morgen
schon die macht
der sonne inne

doch weder pinsel,
kamera, noch wort
finden die kraft

dem eindruck je
gerecht zu werden



©beatrix brockman

Mittwoch, 12. März 2014

Gebärde ins blau

im tanzenden reigen
uralter träume
gebiert der frühling
ein herz aus hellem grün 

draus wird wachsen
eine gebärde ins blau
und gelb der weiten 
himmel deren weiß 
die wurzeln der träume 

mit weichem warmem 
frühlingsregen tränkt und
dessen sanfte berührung 
auch die seele nährt


(C) Beatrix Brockman 

Freitag, 15. November 2013

Wider.Stand




herbsten stürmisch wind und regen 
durch gefärbtes laub und entreißen
es in aufsteigenden wirbeln 
den tanzenden ästen. einzig
der ginko trotzt rank und schlank 
in tiefem grün und verweigert
dem Sturm seine satten blätter

Montag, 11. November 2013

Landeanflug II


rot pudert herbstlaub
die wangen von koniferen
an den mundwinkeln
des cumberlands entlang

fröhlich bunten bäume
in letzter schönheit
ehe sie sich skelettiert
auf weißem grund

gen himmel strecken müssen —
dann wird die seele von kopfkino
in sattem grün oder
terracotta-blättern zehren

bis im frühling wieder
zartes grün aus brauner
rinde blinzelt und einen
neubeginn verspricht



©Beatrix Brockman

Donnerstag, 31. Oktober 2013

herbstnebel

auf die haut
zeichnen mir nebel
nur kälte
aber schweigen ins
herz wo bunte
blätter längst
verbraunten und
vererdeten…


©beatrix brockman