Aus 2009, als ich in Nashville Doktorandin war:
legen sich sonntags
wieder meilen
zwischen ein leben in zwei
städten kommst du mitt'
woch in meinen süden
eiche aus spokane
als liebhaber nur -- ohne
den vater und ernährer --
dann bohren sich
meine wurzeln wieder
tiefer in die erde
will ich ausschlagen nur
und
in deinem schatten blühen
© Beatrix Brockman
Mittwoch, 20. Mai 2020
Samstag, 9. Mai 2020
sepia
in fotografien lebt
ihr noch — jung und
drahtig — sie wunder
schön, das lange haar
in hoher tolle aus
der stirn frisiert;
auf papier gebannt
sopran und bariton.
ich seh die bilder
seh sie kaum bewusst,
nehm sie nur selten
wahr, die frau,
den mann, die eltern,
die ihr wart in kodak
farben nun erstarrt
zu schön, die stimme
auf papier, die selten
schrieb aus angst, dass
sieben jahre schule nur
ihr zum spotte würden,
gerichtet an die "meine
liebe und entfernte kleine",
deren herz tagtäglich
zu euch flog
so halt ich inne
über worten, die mir
wertvoller als gold
und vor den bildern
die mit mir vergehen
werden bis nichts mehr
von uns bleibt.
©Beatrix Brockman
ihr noch — jung und
drahtig — sie wunder
schön, das lange haar
in hoher tolle aus
der stirn frisiert;
auf papier gebannt
sopran und bariton.
ich seh die bilder
seh sie kaum bewusst,
nehm sie nur selten
wahr, die frau,
den mann, die eltern,
die ihr wart in kodak
farben nun erstarrt
zu schön, die stimme
auf papier, die selten
schrieb aus angst, dass
sieben jahre schule nur
ihr zum spotte würden,
gerichtet an die "meine
liebe und entfernte kleine",
deren herz tagtäglich
zu euch flog
so halt ich inne
über worten, die mir
wertvoller als gold
und vor den bildern
die mit mir vergehen
werden bis nichts mehr
von uns bleibt.
©Beatrix Brockman
Donnerstag, 16. April 2020
Schmetterling...
Ein Hund, sagt man, lässt sich leicht ablenken und konzentriert sich nur selten lange auf ein Ding und springt gern einem Schmetterling nach. So ruft man hier in Amerika oft "Butterfly", um anzudeuten, dass eine Person schnell vom hundertsten ins tausendste gerät. So auch ich. Um 6 Uhr sagt meine innere Uhr "Schluss ist" und ich stehe auf. Nach dem Gang ins Bad, erst mal einen Kaffee. Aber wie das so ist. Ich komme in die Küche und will mein BonVivo Espresso-Töpfchen fertig machen. Da sehe ich, dass mein Mann gestern abend sein Frühstück nur halb vorbereitet hat, also schnell Hafergrütze ins nunmehr im Mini-Slowcooker köchelnden Wasser geworfen. Beim Griff in die Gefrierschublade für seine Beeren stiefelt er im Adamskostüm in die Küche und übernimmt. Wo war ich nochmal? Ach ja Kaffee. Schnell die Bohnen in die Mühle geben und das Espressotöpfchen mit Wasser... grad schnell noch ein Glas Wasser trink..., ach nein mit dem Wasser die Schilddrüsentabletten nehmen, Vitamin C nicht vergessen, da war doch noch was? Die Probiotika im Kühlschrank natürlich. Was seh ich da im Kühlschrank? Keine Milch mehr da für den Kaffee - Ach Mensch, ich wollte doch Kaffee aufsetzen im Espressotöpfchen. Schnell noch die Tasse aus der Spülmaschine nehmen, die wird dabei gleich völlig ausgeräumt, und das Töpfchen steht noch immer nicht auf dem Herd. Jetzt aber, Wasser ins Töpfchen, Kaffeepulver, frisch gemahlen ins Kröpfchen, zuschrauben und auf den Herd. Halt, der Herd muss noch abgewischt werden, sonst geht der Frischluftfilter im Haus auf Orkanblasen, weil die Teilchen in der Luft ansteigen. Jetzt aber wirklich. Töpfchen auf den Herd und angeschaltet. Nur 90 Sekunden später duftender Kaffee in der Tasse, den ich draußen auf der Terrasse genießen möchte. Herrlich ists! Hingesetzt, nein, die Bank ist zu kalt. Also im Stehen an den Gartentisch, wo die Aussaaten stehen und da liegt die Gartenschere. Ach ich wollte doch Ästchen schneiden fürs neue Hügelkultur-Hochbeet.
Zwei Stunden später finde ich den kalten Kaffee auf der Terrasse. Das Hügelkulturbeet ist fast fertig.
Butterfly.....
Zwei Stunden später finde ich den kalten Kaffee auf der Terrasse. Das Hügelkulturbeet ist fast fertig.
Butterfly.....
Montag, 30. Dezember 2019
Kaya
eng sind wir nicht
oder gar befreundet
du massiertest mir
ängste aus
verspannten muskeln
worte flochten
ein band aus sympathie
nur einmal sah
ich dich weinen
der angedeutete
pfad hatte dein tal
erreicht
mit gewetzten krallen
herausgegraben
flohst du haus, stadt
und staat.
fare thee well
the love and light in me
honors the love and light in thee
©beatrix brockman
xxx
close we are not
or even what
some call friends
you massaged
fears out of my
tense muscles
words weaved
the fabric of sympathy
between us
only once did
I see you cry
when the trajectory
of your rocky path
— only this outsider
could see —
was about to
hit the bottom
sharpened, you
clawed your way
out of house, city, and state
fare thee well
the love and light in me
honors the love and light in thee
©beatrix brockman
Freitag, 27. Dezember 2019
kopfsteinlastig
zaghaft setze ich den fuß
auf diese woche, ungewiss
ob nicht der eine oder
andere kopfstein zu staub
zerfällt. noch scheint sie zu
tragen doch die skepsis streckt
ihr hässliches gesicht immer
wieder ums eck als wäre
sie das salz mit dem man
die hoffnung würzt
©beatrix brockman
Mittwoch, 25. Dezember 2019
Dienstag, 24. Dezember 2019
24. Dezember
„… denn Weihnachten hat so eine Unaufhaltsamkeit im Näherkommen. Bei diesem Fest merkt man’s besonders, wie das Tempo der Welt nicht mehr auf es Rücksicht nehmen mag, so ein Fest hat langsam zu kommen, wie damals als man Kind war, da zählte man und wartete und es war trotzdem noch weit, das gehört dazu, dieser langsame Advent, nun rast man im Lebens-Schnellzug darauf zu, hält an keiner Station, und es ist nichtmal sicher, daß man in ‘Weihnachten’ halten wird, drei Minuten vielleicht – und weiter auf die große Stadt Neujahr zu, wo’s endlich ein kleines Aussteigen giebt und Händewaschen.“
(geschrieben von Rainer Maria Rilke in einem Brief an Nanny Wunderly-Volkart, am 15. Dezember 1922)
(geschrieben von Rainer Maria Rilke in einem Brief an Nanny Wunderly-Volkart, am 15. Dezember 1922)
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