Donnerstag, 16. April 2020

Schmetterling...

Ein Hund, sagt man, lässt sich leicht ablenken und konzentriert sich nur selten lange auf ein Ding und springt gern einem Schmetterling nach. So ruft man hier in Amerika oft "Butterfly", um anzudeuten, dass eine Person schnell vom hundertsten ins tausendste gerät. So auch ich. Um 6 Uhr sagt meine innere Uhr "Schluss ist" und ich stehe auf. Nach dem Gang ins Bad, erst mal einen Kaffee. Aber wie das so ist. Ich komme in die Küche und will mein BonVivo Espresso-Töpfchen fertig machen. Da sehe ich, dass mein Mann gestern abend sein Frühstück nur halb vorbereitet hat, also schnell Hafergrütze ins nunmehr im Mini-Slowcooker köchelnden Wasser geworfen. Beim Griff in die Gefrierschublade für seine Beeren stiefelt er im Adamskostüm in die Küche und übernimmt. Wo war ich nochmal? Ach ja Kaffee. Schnell die Bohnen in die Mühle geben und das Espressotöpfchen mit Wasser... grad schnell noch ein Glas Wasser trink..., ach nein mit dem Wasser die Schilddrüsentabletten nehmen, Vitamin C nicht vergessen, da war doch noch was? Die Probiotika im Kühlschrank natürlich. Was seh ich da im Kühlschrank? Keine Milch mehr da für den Kaffee - Ach Mensch, ich wollte doch Kaffee aufsetzen im Espressotöpfchen. Schnell noch die Tasse aus der Spülmaschine nehmen, die wird dabei gleich völlig ausgeräumt, und das Töpfchen steht noch immer nicht auf dem Herd. Jetzt aber, Wasser ins Töpfchen, Kaffeepulver, frisch gemahlen ins Kröpfchen, zuschrauben und auf den Herd. Halt, der Herd muss noch abgewischt werden, sonst geht der Frischluftfilter im Haus auf Orkanblasen, weil die Teilchen in der Luft ansteigen. Jetzt aber wirklich. Töpfchen auf den Herd und angeschaltet. Nur 90 Sekunden später duftender Kaffee in der Tasse, den ich draußen auf der Terrasse genießen möchte. Herrlich ists! Hingesetzt, nein, die Bank ist zu kalt. Also im Stehen an den Gartentisch, wo die Aussaaten stehen und da liegt die Gartenschere. Ach ich wollte doch Ästchen schneiden fürs neue Hügelkultur-Hochbeet.

Zwei Stunden später finde ich den kalten Kaffee auf der Terrasse. Das Hügelkulturbeet ist fast fertig.


Butterfly.....



Montag, 30. Dezember 2019

Kaya

eng sind wir nicht
oder gar befreundet
du massiertest mir 
ängste aus 
verspannten muskeln
worte flochten 
ein band aus sympathie
nur einmal sah 
ich dich weinen
der angedeutete
pfad hatte dein tal 
erreicht 

mit gewetzten krallen
herausgegraben 
flohst du haus, stadt
und staat.  

fare thee well
the love and light in me
honors the love and light in thee

©beatrix brockman



xxx


close we are not
or even what 
some call friends

you massaged 
fears out of my
tense muscles 
words weaved
the fabric of sympathy 
between us 

only once did 
I see you cry

when the trajectory
of your rocky path 
— only this outsider 
could see —
was about to 
hit the bottom 

sharpened, you 
clawed your way 

out of house, city, and state 

fare thee well
the love and light in me
honors the love and light in thee


©beatrix brockman

Freitag, 27. Dezember 2019

kopfsteinlastig



zaghaft setze ich den fuß
auf diese woche, ungewiss
ob nicht der eine oder
andere kopfstein zu staub
zerfällt. noch scheint sie zu

tragen doch die skepsis streckt
ihr hässliches gesicht immer
wieder ums eck als wäre
sie das salz mit dem man
die hoffnung würzt


©beatrix brockman

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Dienstag, 24. Dezember 2019

24. Dezember

„… denn Weihnachten hat so eine Unaufhaltsamkeit im Näherkommen. Bei diesem Fest merkt man’s besonders, wie das Tempo der Welt nicht mehr auf es Rücksicht nehmen mag, so ein Fest hat langsam zu kommen, wie damals als man Kind war, da zählte man und wartete und es war trotzdem noch weit, das gehört dazu, dieser langsame Advent, nun rast man im Lebens-Schnellzug darauf zu, hält an keiner Station, und es ist nichtmal sicher, daß man in ‘Weihnachten’ halten wird, drei Minuten vielleicht – und weiter auf die große Stadt Neujahr zu, wo’s endlich ein kleines Aussteigen giebt und Händewaschen.“

(geschrieben von Rainer Maria Rilke in einem Brief an Nanny Wunderly-Volkart, am 15. Dezember 1922)

Montag, 23. Dezember 2019

23. Dezember

In der Christnacht

Oh Winterwaldnacht, stumm und hehr
mit deinen eisumglänzten Zweigen,
lautlos und pfadlos, schneelastschwer,
wie ist es groß, dein stolzes Schweigen.

Es blickt der Vollmond klar und kalt,
in tausend funkelharte Ketten
sind festgeschmiedet Berg und Wald,
nichts kann von diesem Bann erretten.

Der Vogel fällt, der Wind bricht ein,
der Quell versiegt, die Fichten beben,
so kämpft den großen Kampf ums Sein
ein tausendfaches, banges Leben.

Nur in den Dörfern traut und sacht
da läuten heut' zur Welt hienieden
die Weihnachtsglocken durch die Nacht
das Wunderlied vom ewigen Frieden.

Karl Stieler

Sonntag, 22. Dezember 2019

22. Dezember


Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin, bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke
(1875-1926)