Sonntag, 23. Oktober 2011

feier.abend

roter abendhimmel
durchwolkt von engelsflügeln

an straßenrändern
kraaken windgebeugt

stromleitungen aus
seelen von bäumen

geschnitzt ins nochblau
fliegen neonschilder

rechts und links vorbei
siebengespurt auf

stadtautobahnen wo
sich frittenrauch mit

abgas paart seite an
seite burgern doughnuts

pizzen sich gebratene
hähnchen und ein edelweiß



© Beatrix Brockman

Mittwoch, 19. Oktober 2011

verlorenes paradeis

höllenringe selbst
gemacht schweigen
extrapoliert
aus der situation
geschlossen
ungefragt angenommen
im kreis der gedanken
gehangen wie gefangen
flucht reflexe ins
nichts angst hölle
selbst gemacht
dante und milton
würden blass vor
neid um dieses
verlorene paradies


© Beatrix Brockman

Samstag, 15. Oktober 2011

könnt ich meine trauer singen

könnt ich meine trauer singen
ich tät's in dur und nicht in moll
dann würden tief in mir die töne klingen,
die niemand sonst noch hören soll
dann würd im takt des herzen schlages
ein tränenmeer in mir entstehn
das morgen nicht, nicht eines tages
das niemand außer mir kann sehn.
drin schwämmen klänge,
die wie fische zögen ihre bahn
denn wenn ich meine trauer sänge
verkläng in mir die tiefe gram.
dann schwäng im klang von kleinen wellen
ein anbranden von tiefem trost
wenn lücken, leeren, narben schwellen
denn täglich leb ich mit verlust




©Beatrix Brockman

Samstag, 24. September 2011

verhallt!

verhallt! verhallt!
die worte schweigen
das echo
der vergangnen
klänge schwingt
nicht mehr

verhallt! verhallt!
die bilder blassen
mit dir zu grabe
ging die imposanz
im raum
und ließ zurück

für mich
das fahle
klangbild deiner
stimme die nie
mir worte
für die seele sprach



©Beatrix Brockman

Sonntag, 18. September 2011

Neues Leben

neues leben
leben gierig saugend
an der mutterbrust
rosahäutig leben
schreiend in die welt

neues leben
sachte schlafend
lächelnd träumend
an der mutterbrust
neues leben lebend

neues leben
weich im arm
neue händchen füßchen
rudern sich in
neues leben


©Beatrix Brockman

Freitag, 9. September 2011

vertane zeit

und es ist ein warten
auf ein morgen
ein warten auf
was noch
nicht
ist

und
es ist
kein heute
weil dies warten
auf ein morgen das
erst noch kommen wird

... das ...
... heute ...
... erstickt ...


© Beatrix Brockman

Freitag, 2. September 2011

Eine Handvoll Schmerz*

doch was, wenn der schmerz
wiegt
so schwer und der hügel

sich unerklimmbar streckt?
wenn sieben jahre später
es noch immer schmerzt

nicht weniger - anders
nur
das verstummen deiner stimme

wenn wie vor einem sommer
sich ein weit'res stumm
zum kanon des schweigens gesellt

und allerorten andere
ihre eigenen schweigechöre hören
die ihre nimmermehrs immerfort

in unsre hände legen -
eine handvoll schmerz nur
die wir immerda

unsere hügel hinauftragen



©Beatrix Brockman

*Eine Handvoll Schmerz verliert sich über den Hügel
aus: Ingeborg Bachmann, "Früher Mittag"