Montag, 20. Januar 2014

die reinste narretei

der verrat ist wie ein messer.
mit scharfer schneide gleitet
er glatt im rücken zwischen
die rippen und sticht das herz

keine luft will die lungen füllen
eine riesige faust windet ein-
geweide in gordischen knoten
voller angst und schmerz

ungläubig schaust du um dich
kannst dir nicht vorstellen was
diesen menschen bewegt — weißt
nur dein vertrauen war

die reinste narretei




©Beatrix Brockman

Sonntag, 5. Januar 2014

On Moving

It's a contemplative task
this moving of books from
one home to another. You
look onto their face, study
their back. Who will make
the cut? Who will need

good will? And in the new
room, in the new house, in
front of new shelves, you
wonder, too.  Your eye wants
to sort them by height and
color.  Your intellect cries

sacrilege. The alphabet is
no option either, which leaves
you with theme. And you start
feeling like a librarian without
call numbers as you sort books
by Theory or Shakespeare.

In the end,  you arrange them by
Suspicion, Dreams, or Modernity 
along the bifurcated lines of German
and English literature and old syllabi,
which funnily enough still sit
on dusty shelves behind your eyes.



© Beatrix Brockman



Dienstag, 31. Dezember 2013

ich trage die lasten

ich trage die lasten
der welt auf den schultern
der kleinen, der meinen,
der welt der meinen

der welt der einen
deren  einsamkeit
ich nicht lindern kann
der welt der anderen

deren sorgen tief in
mir verinnerlicht
sich kapseln und
auch manchmal eitern

bis ich dem druck
nicht länger einhalt
bieten kann — dann
wünsch ich mir ein herz

aus eis, ein dickes fell
eine distanz, aus  der
der schmerz nur sicht-
aber nicht spürbar ist




© Beatrix Brockman

Einfach nur!

ein frohes neues Jahr!

seid behütet, liebe Leser und herzlichen Dank für Eure Treue!

Bea

Freitag, 20. Dezember 2013

adventus domini



"gegrüsset seiest du maria"
so sang ich einst als kind
und verkündete als engel
der gottesmutter ihren sohn

im kreise von fünf kindern
musizierten wir durch den advent
und naschten heimlich teig
wenn wir mit mutter buken

adventus domini, ankunft
des herrn — einst fastenzeit,
wunderschöne kindheit
erinnerungen im herz

und heute, wenn die vierte kerze
brennt, hat uns die werbungs
maschinerie weihnachten
schon längst vergällt und wartet

kaum bis zum hochfest bis sie die
diätmaschine in gang schmeißt.
— von besinnung auf uns selbst in
dieser oder jener hinsicht

keine spur!



@beatrix brockman

Dienstag, 17. Dezember 2013

schwerer denn je das herz

schwerer denn je
das herz wenn
in ersten augen

blicken eines morgens
nachtwelten bröckeln
wenn der geist nur

langsam sich aus
traumnebeln erhebt
im angesicht derselben

alltagstapete im schatten
ungestemmter gewichte
im ausgeliefertsein an
unbeeinflussbare mächte

dann möchte ich die ersten zeilen
des gelassenheitsgebets sprechen
doch die silben ersterben zu häufig

auf traurigen lippen


©beatrix brockman

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Joey


Ich wünsche dir einen Engel
der seine Flügel schützend über deine hält
der du das Fliegen erst noch lernen musst

Ich wünsch dir einen Engel
der deine Schritte lenkt, wenn deine
Füße dich an Klippen tragen

Ich wünsch dir einen Engel 
der dich berät wenn die Vernunft
in dir noch wachsen muss 

Ich wünsch dir einen Engel 
der deren Hände leitet, die dich 
lieben, leiten, und auch manchmal strafen

Ich wünsch dir einen Engel 
der dich kichern oder lachen macht
der dir das kleine und das große Staunen 

lang erhält und dir das was wir 
Großen Leben nennen noch lang 
vom Leibe hält.


(C) beatrix Brockman