Mittwoch, 27. Juli 2016

ahnen

liegt ein ahnen
und ein fürchten
wo der atem auf
den herzschlag trifft

winden sich gedanken
um ein hoffen, um die
ängste, um ein ob-
es-unvermeidlich-ist

liegt ein zagen
vor dem dunkel
vor dem morgen
nach der nacht

© beatrix brockman

Herzenszyklon

und dann rauschen
sie durch dich durch dich
die ängste der mutter

fürchtest du für sie
das was da kommst
möchtest du schützend

die hand über sie halten
wünschtest du könntest
sie auf händen tragen

und ihr ersparen
den verlust von würde
und dem selbstbestimmt


© beatrix brockman

Mittwoch, 13. Juli 2016

im gehen

abschied drückt sich
in die ecken dieser letzten
tage. wochen, die sich so
lasziv vor uns geräkelt
kehren uns den rücken zu.
gar lächerlich scheinen
jetzt die vielen abschiede
in denen endlichkeit wir
schmeckten — nun da ein neuer
dunkel wieder vor uns schwebt

© beatrix brockman

heilige dreifaltigkeit

seitdem ich denken kann
schlägt dieser glockenturm
zur halben und zur vollen
stunde, egal auf welchem
kontinent ich bin. heuer
ver.schlägt er mich in kindheits
tage, in zeiten als man uhrlos
und ohne hosentaschentelefonie
zur rechten zeit zum abendbrot
erscheinen musste. mein turm
ist er zwar nicht, denn luther
ist mir fern. doch ist er nachbar
mir und wird's in meinem herzen
immer sein - zur vollen und zur
halben stunde, egal auf welchem
kontinent ich bin.

© beatrix brockman

Dienstag, 8. März 2016

lacklos

eigentlich dachte ich
das haus sei aus
vermörtelten steinen
oder so solide wie
eingerastete legosteine
doch nachdem er
hineingetreten hatte
fiel es in sich zusammen
nun zeigt sich das lose
zusammen der klötze
im gerümpelten haufen
und auch der lack
ist irgendwie ab


©beatrix brockman

Sonntag, 28. Februar 2016

Selbst wenn

Selbst wenn
ich diesen
Moment in
Streifen risse
und mir ins
Haar wände

selbst wenn
ich deine Küsse
in Seide wickelte
und zwischen
Nerudas Worten
trocknete

selbst wenn ich
die Schmetterlinge
auf Nadeln rahmte
selbst dann währte
dieser Augenblick
nur seine Ewigkeit


©beatrix brockman (2010)

For as long

For as long
as your voice
can hold this

power over me
As long as
the words you

craft can move
my heart
For as long

as I can rest
in the imagined
that will never be

I can believe
in that which
hasn't been



© Beatrix Brockman