Freitag, 26. August 2016

tages(nicht)ablauf



nach dem laufen
nach dem blick
auf die uhr fest

gestellt, gute zeit
zum anrufen
dennoch nicht

mit mutter telefoniert
ihr nicht gesagt
dass der hund

nach dessen
medikamenten
ich griff

fehlt und ich nur
den anderen
füttern musste

© beatrix brockman

Donnerstag, 18. August 2016

immer wieder immer

immer wieder immer
unerwartet schieben
sich bilder, szenen,
stimmen in das hier-
und-jetzt —legen
das nimmermehr ins
auge, bis es mir von
den wangen tropft

© beatrix brockman

Montag, 15. August 2016

rot-geflammte rosen küssten dein antlitz

deine lippen schwiegen
doch zum gebet gefaltet
waren deine hände
dort vor dem altar
von sankt marien

rot-geflammte rosen
küssten dein antlitz
unter der hellen birke
als deine knospe sich
für ewig schloss

wir feierten dein
schnörkelloses leben
im dienst der liebe
zu deinen nächsten
und standen doch

schmerzgebeugt vor
deinem sarg. "du hast
dich einfach davongemacht"
flüstertest du einmal
an vaters grab und ich

spreche dir die worte
nach, während ich dich
hand in hand mit ihm
durch die unendlichkeit
schlendern sehe

© beatrix brockman

Donnerstag, 4. August 2016

Heute

Heute wurden die Himmel weit.
Ein Mutterherz hat die Hände
nach getanem Lebenswerk
in den Schoß gelegt, und
ihre Seele flügelt voller Freude
mit weit-gebreiteten Schwingen
in großen Höhen durch ihre Tore.


©Beatrix Brockman

Mittwoch, 27. Juli 2016

ahnen

liegt ein ahnen
und ein fürchten
wo der atem auf
den herzschlag trifft

winden sich gedanken
um ein hoffen, um die
ängste, um ein ob-
es-unvermeidlich-ist

liegt ein zagen
vor dem dunkel
vor dem morgen
nach der nacht

© beatrix brockman

Herzenszyklon

und dann rauschen
sie durch dich durch dich
die ängste der mutter

fürchtest du für sie
das was da kommst
möchtest du schützend

die hand über sie halten
wünschtest du könntest
sie auf händen tragen

und ihr ersparen
den verlust von würde
und dem selbstbestimmt


© beatrix brockman

Mittwoch, 13. Juli 2016

im gehen

abschied drückt sich
in die ecken dieser letzten
tage. wochen, die sich so
lasziv vor uns geräkelt
kehren uns den rücken zu.
gar lächerlich scheinen
jetzt die vielen abschiede
in denen endlichkeit wir
schmeckten — nun da ein neuer
dunkel wieder vor uns schwebt

© beatrix brockman