Montag, 21. Juli 2014

Christa Johanna Blome

beweint habe ich
deinen tod
kräftig und laut

geschluchzt
herausgeschrien
das ungerecht

das dich schon nahm —
warst lieb mir
und auch wichtig

eine freude dir
bereiten war
eine große freude mir

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nun ist's allein das
niemalsmehr
das fehlen deiner

stimme, deiner
zarten gesten
das mal hier mal

da den atem  mir
nimmt und auch
den trost verbleicht

dass niemalsmehr
dir widerfährt
ein solches leid


©beatrix brockman

Mittwoch, 16. Juli 2014

STOP

STOP bemoaning 
the road not taken — celebrate 
 the one you took



© beatrix brockman

Montag, 14. Juli 2014

Brief an einen Tätowierer

so oft träume ich von einem baum auf meiner haut, der starke stamm links tätowiert von der schulter zu den lenden.  ein ast, er quert den rücken, reckt seine knospen in den rechten arm.  daran die blätter meiner lieben - für jeden eins oder doch lieber keins?
ein herabgefallenes soll liegen auf der rechten hüfte. es deutlicht die zäsur, den riss der unverwundbarkeit. denn nie zuvor betraf ein krank, ein sterben und ein tod die, die zu meinem kreis der meinen stets gehört.  als fiel dies erste blatt war es nicht "tod"; es war das sterben jenes wissens, dass "es" nur andere trifft. es war das beten, das vergeblich war, auf gottes taube ohren stieß, und das das joch nicht von dem kinde nahm, das meine schwester in den armen hielt.
dann fiel das zweite blatt.  krebs war durch den riss gedrungen,  zerfraß die nicht so heile welt, und nahm sie mit, die mutter eben dieses kindes, das lebenslang die mutter brauchen wird. sechs jahre brauchte dieses blatt für seinen weg vom ast zur tätowierten erde und oft ist mir als hing' es noch daran.
auch meines vaters blatt ward tätowiert mir auf die seite. auch dieses blatt ist längst noch nicht verdorrt in meinem herz und flimmert grün noch auf der iris meiner augen.  die aber wollen schon die zukunft schaun. verschämt und voller furcht frag' ich mich dann, wie wohl das nächste blatt dann heißen wird und wohin der wind des lebens es mir tätowiert.

 (2011)


erst gestern fiel ein neues blatt, ein herzensblatt, vom lebensbaum, das einer anderen auch wurzel war. noch lange wird's nicht dorren, denn gestochen auf die haut in sattem grün wird es memento sein. erzählen von dem los, das ihr kein leichtes war und doch das lächeln ihr nicht nahm.

14.07.2014


© beatrix brockman

Mittwoch, 9. Juli 2014

Plötzlich gewahr



es ist ein spiel 
dessen regeln 
die anderen 

je nach lust und 
laune ändern — 
mal rollen sie 

rote teppiche, mal 
bananenschalen 
mal eisbahnen 

für dich aus




©beatrix brockman




Dienstag, 24. Juni 2014

Knochendichte

Diagnose: Osteoporosis
Patient: das Leben
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mir scheint die knochen
meines daseins werden
von tag zu tag poröser

als der krebs mir die
schwester holte, hatten
die termiten des lebens

ihren ersten auftritt
doch ich hielt sie für ameisen
und streifte sie ab

als sie sich durch vaters
herz und aorta fraßen
nisteten sie auch in meiner

brust — die lungen wollten
sich nicht füllen und auch der
 magen verweigerte sich

heute, fünf und vier sommer
später haben sich die termiten
durch mein lebensskelett

gefressen. dieses jahr scheint
ihr erster klimax zu sein.  nach
der hüfte, die im januar zerbarst,

und den sicheren gang
 mit sich nahm, nagen sie
nun am brustbein, drücken ihr

nest erneut auf lunge und magen
krümmen das kreuz, knicken
das haupt, das dem befehl

erheb dich schon lange
nicht gehorcht. es knirscht in
den knochen des lebens

...---...---...---...---...

welchen  kammerjäger soll ich rufen?



©beatrix brockman


Bone Density



Diagnosis: Osteoporosis
Patient: Life

It seems that the bones of my existence lose more and more of their density.

When cancer took my sister, the termites of life hogged the stage for the first time, but I thought they were ants and shook them off.  When they ate their way through my father’s heart and aorta, they also built a nest in my chest.  Lung capacity decreased to a five-buck oxygen filling, the stomach refused admittance to anything but crumbs.

Today, five and four summers later, the termites have eaten their way through the skeleton of my life. After breaking its hip, forcing future steps into insecurity, they seem to have reached their first climax this year.  Now they are chewing on the inside of life’s sternum, building a nest through lungs and lining of the stomach, bend the spine, lower life’s head – which has not listened to “Chin Up” in eons anyway.

…they creak, the bones of my life, I wonder which termite treatment might be appropriate.


©beatrix brockman

Montag, 16. Juni 2014

trauer: memento mori

und sie bricht aus deiner brust
wie ein vulkan, wälzt sich
über lippen während tränen
heiße lava weder kühlen noch
ihr einhalt bieten können

siehst du gräber, wünscht dir
arme dich noch einmal zu um
schließen, rufst du namen in
das nichts; keine geste, ist
kein echo. ihre antwort hörst

du nicht. schreist du, schluchzt
du dich durch leere räume —
noch nicht fertig mit den letzten,
die so oft sich schon gejährt, und
voll angst vor denen, die die zeit

schon kündet, auch wenn der
alltag sie verdrängen mag



©beatrix brockman