Montag, 4. März 2019

Am Meer

Erfüllt
Am Meer
In Decken gehüllt
Das Salz das Wasser
Ich

© Beatrix Brockman



(ein elfchen)

Sonntag, 3. März 2019

Salzwasser für die Seele

einbrennen
sollen sie sich
die wellen
in die netzhaut
das herz

noch lange
will die seele
davon zehren

©beatrix brockman

Donnerstag, 28. Februar 2019

Beobachtungen am Rande des für sie Unvermeidlichen

grausame hoffnung
im herzen da metastasen
sich durch kopf, durch knochen,
durch die leber fressen
— wollen weder kopf
noch seele sich stellen —
den nahenden nicht sehen
weil so grausam hoffnung
den blick trübt, der eigene
schmerz einen anderen
ausgang erzwingen will

auch wenn die erlösung des
einen die des anderen sein wird

aber die kommt erst lange
nachdem sich die nebel
lichten, wenn kampfansagen
nicht länger den blick auf
einsichten trüben, wenn
das loch, das sie noch nicht
kennt, bestandteil des alltags
wird und sie trotzdem
weiter atmen und einen fuß
vor den anderen setzen wird



©beatrix brockman

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Eisperle



ohne glasbläser ohne pausbäckig
geblähte wangen — nur wintergeschaffen
aus eisig nächtlichem hauch
und dämmerungnass geboren:
vergängliche schönheit die bald wie
ein geist sonnenschein weichen muss


©beatrix brockman

Montag, 9. Juli 2018

Zäsur

Zäsur

ein schnitt 
ein einschnitt

den zu brücken 
nicht gelingt 

selbst als davincis 
schnitte längst verheilt

liegen ring und ringe 
noch im schrank


© beatrix brockman

Sonntag, 1. Juli 2018

Sonntag, 24. Juni 2018

Ujjayi-Atem

Das Meer hat mich schon immer angezogen. Nichts Schöneres gibt es für mich, als darauf zu schauen und der Brandung zu lauschen. Obwohl es das Element des Wassers ist, erdet es mich. Gerade sind wir zum zweiten Mal in diesem Jahr an der Golfküste. Haben 10 Stunden Autofahrt in 2 Autos mit 6 Personen auf uns genommen. Das hatte mich erst davon abhalten wollen. Nun bin hier. Und bereue es nicht.

Im März waren die Strände noch verschlafen, nicht menschenleer, aber geräumig und morgens spurenlos weiß. Jetzt ist Saison. Ich wusste, was das heißt. Menschenscharen um Menschenscharen. Sie stören mich nicht. Jeder geht seinem Tag nach. Man bräunt sich einen Krebs in die Haut. Man schwimmt, spielt Ball, Mütter wiegen ihre Kinder in sanften Wellen.

Ich genieße Strand und Meer in den Morgenstunden, wenn die Sonne noch nicht brennt und das Brechen der Wellen nicht von Geschrei übertönt wird. Wird es mir zu heiß und zu laut, ziehe ich mich auf den Balkon mit Meeresblick zurück, der den Klang des Ozeans für mich bündelt und dessen Höhe die Stimmen mir fremder Menschen mildert.

Fast kann ich die Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit des 21sten Jahrhunderts hinter mir lassen und mich mit geschlossenem Augen dem Ujjayi-Atem hingeben. Wären da nicht die Hubschrauber, die im 10-Minuten-Takt Touristen mit Höllenlärm über den Strand fliegen und das Boot, das vor uns kreuzt, mit einem 8 x 10 m großen Bildschirm, der penetrant blinkend, Werbung für Bars, Restaurants und Veranstaltungen macht. Zum Glück noch ohne Sound...


©beatrix brockman