Dienstag, 6. März 2018

jelly fish

getrieben von wind
und wellen; gestrandet nun
eins mit weißem sand

© beatrix brockman


am straßenrand (haiku)

zart und leblos am
straßenrand nur sein panzer
trotzte den reifen

©beatrix brockman


und dann und wann

und dann und wann
fliegt ein Pelikan
so nah heran
dass man
das Bauchgefieder
zählen kann


@beatrix brockman

Montag, 5. März 2018

vorwärts

und dann gehst du
den ersten schritt
den zweiten, noch

sehr wackelig, doch
voller hoffnung
dass du festen schrittes

vorwärts schreiten wirst


©beatrix brockman

und dann war frieden.



mit dem loslassen ist er
gekommen. nach dem lösen
des klammerns öffneten sich
die weiten des hier und jetzt.

plötzlich ruht die seele in sich
und das kind legt sich friedvoll
in eine ecke des herzens,
schläft seit langem endlich

in sicherheit gewiegt. morgen,
ja morgen, wird es
durch die
geöffnete pforte schreiten.


© beatrix brockman

Sonntag, 4. März 2018

Vom Träumebegraben

Heute habe ich – nicht mit der Schaufel - sondern mit den modernsten Kommunikationsmöglichkeiten des 21. Jahrhundert einen letzten großen Traum begraben. Sein Platzen war schmerzhaft – obwohl ein langsamer Prozess des Einsehens und Loslassens, des Wissens um die Unumkehrbarkeit und das Verlorensein des Verlorenen.

Heute nahm ich allen Mut zusammen, auch einem lieben Menschen meine schmerzvolle  Wahrheit zu sagen, seinem Bündel eine weitere Last hinzuzufügen, weil meine Traumblase sie nicht länger hat der schweren Kraft entziehen können.

Heute war der Schritt durch die Pforte der Freiheit alles andere als selbstlos, obwohl es der eigene Wunsch war, den ich mir versagte.

Heute trug ich Verantwortung nur für mich selbst, legte Bürden ab, die ich mir selbst auferlegt, in meinem Bedürfnis, dass Wohle anderer mitbestimmen zu wollen.

Heute war ich eins mit mir, wie ich es schon lange hatte sein wollen.

Dass es so schmerzen würde, wusste ich nicht.

(C) Beatrix Brockman

Montag, 19. Februar 2018

roadmovie- oder straßenkopfkinogedicht

zierlich spreizt er
die schwarzen federn
seines flügels, als
wolle er allen vorbei
fahrenden nonchalant
zuwinken. elegant
ist er schon lange

nicht mehr und sein
geronnenes blut
ist längst im asphalt
versickert. einzig die
abbiegerspur, nur
selten befahren,
als ort des wesens

verhindert, dass seine
existenz vergessen
und seine substanz
von autoreifen fort
getragen wird. seit
sieben tagen winkt
er mir auf dem weg

nach hause, seit
sieben tagen wächst
dieser text in meinem
kopf, sieben tage
lang schon wippen
federn im sog vorbei
rauschender autos,

auch morgen wird mich
seine sterblichkeit grüßen,
gewahr, dass ich weder
sein noch mein
eigenes schicksal
neu denken oder
gar schreiben kann


©beatrixbrockman