Montag, 30. September 2019

letzter september tag

über eichen und buchen
blätter stapfe ich durch
einen bunten regenschirmwald
wind und regen entgegen
staemmend über spree und
geschichtsgrenzen ins sütterlin
einer längst vergangenen lyrik

©beatrix brockman

Mittwoch, 25. September 2019

Blatt für Blatt

Langsam ästet
Sich die Buche
Vorm Archiv
Aus ihrem Sommerkleid

Blatt für Blatt
Auch ich
Hinter dem Fenster

Ihr schüttelt
Der Wind
Die Last von
Der Rinde

Meine Blätterberge
Wachsen von
Links nach rechts

Sie wird sich
Im nächsten Jahr
Neu bekleiden
Vor diesem Fenster hier

Ich werde
Wer-weiß-schon-wo
Sein

© beatrix brockman


lebensraum

ich lebe mein leben
in schwindenden ringen.
bin ich voll da
für die, die ich lehre,
sehnt sich danach
das herz nach der leere,
nach stille, nach raum
für holz, für papier,
für fasern und andre krea.triebe
und vor allem und immer
und immer mehr für den,
den ich so lange liebe

© beatrix brockman

lament

es ist schwer
sich zu orientieren
in einer stadt
die deine nie war

die lebt
die pulsiert
in einen rhythmus
der deiner nie wird

an orten, wo mal streng,
mal animalisch, lieblich
nie - unausweichlich stets -
dich gerüche überfallen

wo menschen um bettelnde
holzkrücken durch straßen
lemmingen und mittendrin
du

dich mühst, das ziel aus den augen nicht zu verlieren

und dich sehnst
nach dem menschenort, der heimat einmal war
und dich überrascht das sehnen nach dem fernen ort,
der heimat nun für deine kindes.kinder ist

es ist schwer sich zu orientieren
in einer stadt, die deine nie war
in einem land, das deines
nicht mehr ist

Dienstag, 24. September 2019

worte

vom wortleer zum wortmeer
losgelöst im strom der silben
stummheit hinter sich gelassen
und ängsten die stirn geboten
den frühlingsatem tief eingesogen
schreiben sich verse wieder
in das pergament der tage

© beatrix brockman

Samstag, 27. April 2019

nur wenn

wer schreibt schon gedichte wenn er glücklich ist?


nur wenn schatten fallen
fließen sie,
die worte, rhythmisch
aufs papier

ist mein gesicht
der sonnenblume gleich
ins licht gerichtet,
verstummen sie

als ließen
die sonnenseiten
sie verdörren, von
tränen ungewässert

raschelt ihr laub
in einer ecke
des herzens, wo sie
das samenkorn

des nächsten
gedichts wahren



©beatrix brockman

Freitag, 19. April 2019

Intermezzi

in den monaten 
dazwischen gelingt
es dir manchmal 
aus fäden der 
verdrängung und 
hoffnung ein neues 
textil in den mustern
der normalität
zu weben 

verkleinert sich der 
stapel aus kalender
blättern immer weiter
beginnen die fäden
immer häufiger zu
reißen, bis angst
die dünne decke
aus zuversicht 
vollständig aufreißt

dann klammerst 
du die rissstelle
zusammen, stopfst
das loch gebetsmühlenartig
mit schlecht haltenden
mantras, bis jener tag 
verstreicht und das 
nächste warten beginnt


©beatrix brockman